Naturrituale sind Erfahrungsräume. Sie laden uns ein, innezuhalten, uns neu auszurichten, Übergänge bewusst zu begehen und uns wieder als Teil eines größeren Ganzen zu erleben. Dabei geht es nicht darum, ein spirituelles Programm „abzuspulen“ oder etwas Bestimmtes zu erreichen, sondern darum, sich einem lebendigen Wandlungsprozess zu öffnen.
Im Kern ist jedes Naturritual ein Prozess der Transformation.
Naturrituale als offene Wandlungsräume
Ein Naturritual ist ein offener Raum, in dem sich Wandlung vollziehen kann. Wie lässt sich das verstehen? Der äußere Rahmen des Ritualraums ergibt sich aus dem Rad der Jahreszeiten (siehe unten). Dieses beschreibt die grundsätzliche Energiebewegung im Jahreslauf zwischen dem tiefsten Punkt zu Mittwinter und dem höchsten Punkt zu Mittsommer. Aus dem Jahreszeitenrad ergeben sich für jede Himmelsrichtung bestimmte jahrezeitliche Qualitäten, die wir im Weiteren auch auf Lebensphasen und Lebensthemen übertragen können. Somit können wir den Anlass unseres Naturrituals (ob Jahreszeiten-Ritual oder Lebensübergangs-Ritual) immer energetisch im Rad der Jahreszeiten verorten:
Die Ausgestaltung des Rituals selbst ergibt sich in seiner grundlegenden Struktur aus dem sogenannten Rad der Transformation (nach Seghezzi), das sich aus dem oben gezeigten Jahreszeitenrad ableiten lässt. Es ist ein Wandlungsrad, welches tief im Leben selbst verankert ist – wir begegnen ihm nicht nur in menschlichen Veränderungs- und Wandlungsphasen, sondern auch in alten mythologischen Erzählungen. Viele kennen eine ähnliche Struktur aus der sogenannten Heldenreise nach Joseph Campbell. Auch hier verlässt ein Mensch die gewohnte Alltagswelt, durchschreitet eine Schwelle, begegnet dem Unbekannten – und kehrt verwandelt zurück.
Im Naturritual zeigt sich diese Bewegung auf tiefe, leibliche und seelische Weise:
Wir beginnen in der gewohnten Alltagswelt
Ein Ruf zeigt sich – ein Thema, ein Anlass
Wir überschreiten bewusst eine Schwelle und treten in den Ritualraum ein
Wir sinken tiefer, lassen Gewohntes los, üben Hingabe und lassen Kontrolle los
Im tiefsten Punkt – dem offenen, mystischen Raum – darf Wandlung geschehen
Danach steigen wir wieder auf und nehmen eine Gabe – etwa eine Erkenntnis oder Erfahrung – mit
Wir kehren über eine Schwelle zurück und integrieren das Erlebte in unser Leben
Goethe hat diesen tiefgehenden, naturzyklischen Transformationsprozess mit wenigen Worten treffend beschrieben:
„Und solang‘ du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf dieser Erde.“
Naturrituale sind Räume des Geschehenslassens. Im tiefsten Punkt des Lebensrades – bildlich im Winterraum – berühren wir den inneren Kern des Lebens: den mystischen Raum der Seele, aus dem alles Werden entspringt. Naturrituale berühren genau diesen tiefen Erfahrungs- und Wandlungsraum.
Natur ist mehr als nur Kulisse
Ein Naturritual bedeutet nicht, ein beliebiges Ritual einfach nach draußen zu verlegen. Dann wäre die Natur lediglich ein schöner Hintergrund oder eine angenehme Kulisse.
In einem Naturritual ist die Natur selbst Mitgestalterin.
Sie wirkt auf mehreren Ebenen:
Sie gibt Thema und Qualität vor – etwa durch die jeweilige Jahreszeit
Sie prägt die Gestaltung des Rituals selbst
Sie öffnet Erfahrungsräume, die sich nicht planen lassen
Ein Naturritual entsteht deshalb nicht am Schreibtisch, sondern immer in der Begegnung mit der Landschaft.
Das Lauschen in die Landschaft
In der Vorbereitung gehe ich hinaus – in die Landschaft, in den Wald, an bestimmte Orte. Ich lausche der Stimmung, der Qualität und der Seele der Orte.
Denn alles in der Natur trägt einen eigenen Charakter:
Landschaften
Pflanzen
Tiere
Wetter
Jahreszeiten
Mit der Zeit lässt sich diese Sprache erspüren. Je nach Thema rufen bestimmte Orte. Aus inneren und äußeren Bildern, Empfindungen und Bewegungen an diesen Plätzen öffnet sich ein Dialog mit der Landschaft – und aus diesem Dialog beginnt sich das Ritual zu weben.
Somit entsteht ein Naturritual immer aus der lebendigen Beziehung zwischen Mensch und Landschaft – zu einer bestimmten Zeit.
Der gemeinsame Ritualraum
Wenn wir uns als Gruppe treffen, stimmen wir uns zunächst gemeinsam auf das Thema im Zusammenhang mit dem Jahreskreis ein. Ich gebe Hintergründe zu den jeweiligen Qualitäten und erzähle von mythischen Gestalten, die seit jeher für die Wandlungsprozesse im Lebensrad stehen.
Dann gehen wir gemeinsam hinaus.
Wir schließen unseren Kreis, überschreiten eine Schwelle – oft ganz bewusst am Waldrand – und treten ein in einen naturmystischen Raum, in dem sich unsere Wahrnehmung weiten darf. Wir lauschen, bewegen uns, verweilen in Stille, legen vielleicht etwas ab oder rufen etwas Neues. Manchmal begegnet uns etwas, manchmal drückt sich etwas durch uns aus.
An ausgewählten Orten begegnen wir der Seele der Landschaft. Persönliche Themen und kollektive Muster dürfen sichtbar werden, sich bewegen und wandeln.
Die große natürliche Ordnung
Die natürliche Ordnung mit ihren Rhythmen und Gesetzmäßigkeiten, wie wir sie aus dem Lebensrad kennen, ist kein überholtes Konzept und keine fixe Idee, sondern sie lebt – in allem, was ist. Die Natur selbst zeigt uns, dass sie keine Trennung kennt. Wenn der Tag sich in die Nacht webt, der Sommer sich aus dem Winter heraus entfaltet, dann sehen wir: alles sind Ausdrucksformen ein und derselben lebendigen Bewegung. Keiner ist „besser“ oder „schlechter“ als der andere; sie gehören einfach zueinander wie Einatmen und Ausatmen, Geburt und Tod.
Wenn wir uns in Naturritualen wieder bewusst in diese natürlichen Rhythmen einfügen und die ursprünglichen, heilsamen Bilder der Natur neu erleben, beginnt sich die Illusion der Trennung aufzulösen. Dann entstehen Momente tiefer Verbundenheit. So treten wir bewusst aus dem vorherrschenden trennenden Weltbild heraus und beleben ein gesundes naturzyklisches Bild.
Je tiefer wir uns auf diesen Raum einlassen, desto stärker entsteht oft ein Gefühl von:
Geborgenheit
Angekommensein und Heimkehr
Ruhe
Eingebettetsein in etwas Größeres
Die Grenzen der Sprache
Wenn wir über Naturrituale sprechen, stoßen wir unweigerlich an die Grenzen der Sprache. Denn das Wesentliche lässt sich nicht vollständig beschreiben – es will erfahren werden.
Diese Art von Ritual berührt immer eine Ebene des Daseins, die sich dem rationalen Denken, dem verbalen Ausdruck entzieht. So ringen Menschen schon seit jeher um treffende Worte, wenn sie von spirituellen oder mystischen Erfahrungen berichten.
Denn im Zentrum dessen steht immer das Mysterium des Lebens selbst: Wir können es nicht vollständig verstehen, erfassen oder beschreiben – und schon gar nicht kontrollieren oder „machen“ – denn der Ursprung des Lebens selbst bleibt geheimnisvoll. So ist das, was in allen mystischen Erfahrungen im Kern geschieht, vielmehr ein inneres Erleben, Fühlen, Gewahr werden. Und was davon bleibt ist die tiefe Erkenntnis: Wir sind Teil eines größeren Ganzen, eingebunden in Zyklen und Gesetzmäßigkeiten. Und wir dürfen, ja wir sollen darin mitwirken, innerhalb dieser Gesetzmäßigkeiten – und gleichzeitig uns auch von ihnen tragen lassen. Das ist es wohl, was wahre Lebendigkeit letztlich ausmacht.
Was Naturrituale schenken
Naturrituale sind Geschenke. Sie schenken dir:
Orientierung im Wandel
Kraft aus der Tiefe
Erfahrungen des Lebendigseins
Verbundenheit mit der Natur: mit menschlicher und mehr-als-menschlicher Gemeinschaft – und mit dir selbst. Sowie die tiefe Gewissheit, dass wir nie getrennt waren – und es auch nie sein werden.
Ich bin Katja – ich begleite Menschen, die sich vom Ruf der Natur leiten lassen und in Wandlungsphasen Halt und Orientierung suchen. Ich arbeite mit dem Lebensrad nach Seghezzi, einer naturzyklischen Landkarte, und unterstütze Dich gerne dabei, Dich tief mit den natürlichen Zyklen und Dir selbst zu verbinden.
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